{"id":101,"date":"2007-02-13T22:10:26","date_gmt":"2007-02-13T21:10:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bigmouth.ch\/blog\/?p=101"},"modified":"2012-01-01T22:11:43","modified_gmt":"2012-01-01T21:11:43","slug":"essay-zum-thema-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bigmouth.ch\/blog\/2007\/02\/essay-zum-thema-arbeit\/","title":{"rendered":"Essay zum Thema Arbeit"},"content":{"rendered":"<p>Arbeit\u00a0 &#8211;\u00a0 was ist das? Das ist\u00a0 wie bei fast allem bloss\u00a0 eine Frage der\u00a0 richtigen Definition. Bei der Suche nach einer umfassenden Definition komme ich aber ganz sch\u00f6n ins Schlingern; es fallen mir mehr weitere Fragen statt Antworten ein.<\/p>\n<p>Ich will\u2019s trotzdem versuchen: etwas sehr Typisches an der Arbeit ist, dass sie mit Geld belohnt wird\u00a0 &#8211; zumindest\u00a0 in der Regel, und dann w\u00fcrde man das besser als Erwerbst\u00e4tigkeit bezeichnen. Die\u00a0 Umgangssprache geht sehr fahrl\u00e4ssig mit dem Wort\u00a0 Arbeit um. Der Lohn besteht gar nicht immer aus Geld, und oft bleibt er sogar ganz aus, oft ist er symbolisch, z. b.\u00a0 ist Freiwilligenarbeit gut f\u00fcr\u2019s Image.<\/p>\n<p>Arbeite ich, wenn ich diesen Essay zum Thema Arbeit schreibe?\u00a0\u00a0 Wenn der Lohn\u00a0 das Typische w\u00e4re, dann w\u00e4re es keine Arbeit, denn die Aussicht, das Preisgeld zu gewinnen, ist\u00a0 \u00e4usserst unsicher. Was mich besonders anspornt, ist ein Funken Hoffnung, endlich den Durchbruch als Schriftstellerin zu schaffen. Geschrieben habe ich eigentlich immer\u00a0 &#8211; in der dritten Klasse schrieb ich meine erste Kurzgeschichte,\u00a0\u00a0 und mein Deutschlehrer hat mir mehrmals empfohlen, Schriftstellerin zu werden. Aber ich geh\u00f6re nicht zu jenen Beneidenswerten, die es geschafft haben, ihr Hobby zum Beruf zu machen.<\/p>\n<p>Aristoteles sagte, Gl\u00fcck sei ein\u00a0 Nebenprodukt sinnvollen Tuns \u2013 also sollte mich das Schreiben dieses Essays gl\u00fccklich machen, denn dieses Bem\u00fchen meiner grauen Hirnzellen\u00a0 zum Erforschen des gesellschaftlichen Ph\u00e4nomens \u201eArbeit\u201c werte ich durchaus als sinnvolles Tun \u2013 ganz unabh\u00e4ngig davon, ob ich etwas gewinne oder nicht . Wenn ich nichts gewinne, kann ich mich sogar ein weiteres mal rechtfertigen, mein Text sei halt wieder zu brisant gewesen und enthalte zuviel unerw\u00fcnschte Gesellschaftskritik. Und Gratisarbeit ist ja ohnehin der rote Faden in meinem Leben.<\/p>\n<p>Wer bestimmt denn eigentlich, was als Arbeit definiert wird ? Das ist\u00a0 eines der vielen\u00a0 undurchsichtigen\u00a0 gesellschaftlichen Mysterien. Wer zieht hier\u00a0 an den F\u00e4den und bestimmt, was Arbeit ist, wer sie erh\u00e4lt, wieviel sie wert\u00a0 ist, d.h. mit welchem Lohn sie entsch\u00e4digt wird\u00a0 und welches Sozialprestige sie geniesst? Im Einzelfall k\u00f6nnte man\u00a0 sich folgender Beschreibung behelfen:\u00a0 Man kann jede T\u00e4tigkeit als Arbeit bezeichnen, sobald sich jemand findet, der bereit ist, einen Lohn daf\u00fcr zu bezahlen. Das kann eine beliebige T\u00e4tigkeit sein, die in anderem Zusammenhang , n\u00e4mlich wenn sie nicht gegen ein Entgeld geleistet wird,\u00a0 gar nicht als Arbeit bezeichnet w\u00fcrde. Wenn\u00a0 eine Hausmutter f\u00fcr Ehemann und Kinder das Mittagessen kocht, \u201everw\u00f6hnt sie ihre Lieben\u201c, wenn eine Angestellte der Tagesschule f\u00fcr die Sch\u00fcler das\u00a0 Mittagessen kocht, ist das bezahlte Arbeit. Hausfrauen sollte man \u00fcbrigens nie fragen \u201earbeitest\u00a0 Du\u201c \u2013 sondern politisch\u00a0\u00a0 korrekt \u201cbist du erwerbst\u00e4tig?\u201c<\/p>\n<p>Als Arbeit definieren kann man eigentlich alles &#8211; notfalls sogar das Nichtstun \u2013 gelegentlich auch als Pr\u00e4sentzeit bezeichnet \u2013 das dann bloss darin best\u00fcnde, dass man durch das Zeitabsitzen\/stehen\/liegen daran gehindert wird, etwas anderes zu tun oder in angenehmerem\u00a0 oder selbstgew\u00e4hltem Rahmen nichts zu tun. Besonders Schlaue und Unversch\u00e4mte schaffen es, in dieser sogenannten Pr\u00e4sentzeit etwas anderes zu\u00a0 tun, was mit dem bezahlten Job gar nichts zu tun hat, eben Dinge, bei denen\u00a0 man bei der Arbeit nicht gerne erwischt wird. So tauschten\u00a0 zwei\u00a0 Angestellte eines amerikanischen Arbeitsamtes Mails aus,\u00a0 in denen sie sich \u00fcber mangelndes sexuelles Interesse ihrer Partner\u00a0 beschwerten. Dummerweise vertippte sich die eine beim Senden, so dass dann die ganze Firma die mails lesen konnte, was dann ziemlich peinlich war. Dazu ein anderes Beispiel: K\u00fcrzlich rief mich eine arbeitslose Freundin an, um mit mir ein Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren, wie sie es sonst beim gemeinsamen Toilettenbesuch in der Disco beim Auffrischen des Make-ups vor dem Spiegel zu f\u00fchren\u00a0 pflegt\u00a0 \u2013 und pl\u00f6tzlich spricht die mit mir, als k\u00e4me sie von einem anderen Planeten \u2013 faselt etwas von ihrem Warenangebot, Preislisten und Prospekten, die sie mir schicken will. Sie sietzt mich sogar und verabschiedet sich ganz f\u00f6rmlich.\u00a0 Ich muss mir den Bauch halten vor Lachen \u2013 unverkennbar: die hat Arbeit gefunden!<\/p>\n<p>Der Vergleich mit\u00a0 einer Disco ist gar nicht so schlecht. Ich erlaube mir die Unverfrorenheit, den Arbeitsmarkt mit einer riesigen Disco\u00a0 mit mehreren Eing\u00e4ngen zu vergleichen. \u00dcberall stehen Bodyguards und die Regeln, wie man an den T\u00fcrstehern vorbeikommt, sind ziemlich undurchsichtig, oft erscheinen diese Regeln unfair, diskriminierend, widerspr\u00fcchlich\u00a0 oder willk\u00fcrlich &#8230; Manchmal heisst es, man kommt nur mit Membercard rein, manchmal ist es nicht mal klar, wie man zu einer Membercard kommt ,\u00a0 manchmal\u00a0 wird die Ausrede mit der Membercard nur vorgebracht, wenn der Andrang sehr gross ist \u2013 womit wir beim Gesetz von Angebot\u00a0 und Nachfrage w\u00e4ren. Auch auf dem Arbeitsmarkt kann das Anforderungsprofil\u00a0 je nach Angebot und Nachfrage nach oben oder unten verschoben werden. Es gibt allerlei Tricks, wie man reinkommt, z. B. kommt man\u00a0 manchmal alleine nicht rein, in Begleitung einer Person, die dort schon etabliert ist, kommt man pl\u00f6tzlich\u00a0 problemlos am T\u00fcrsteher vorbei \u2013 in der Arbeitswelt nennt man das Vitamin B.\u00a0 Manchmal ist es auch n\u00fctzlich, mit dem Bodyguard zu schlafen&#8230; oder doch wenigstens jung und sexy auszusehen, weil das gut ist f\u00fcr den Umsatz. Parallelen zur Arbeitswelt sind auch hier nicht rein zuf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Das englische \u201elabour\u201c\u00a0 bezeichnet \u00fcbrigens neben Arbeit\/ Anstrengung auch die Geburtswehen. Das Geb\u00e4ren eines Kindes ist gewiss harte Arbeit. Und wird doch gem\u00e4ss Bibel die Vertreibung aus dem Paradies damit bestraft, dass der Mann im Schweisse seines Angesichts arbeiten m\u00fcsse und die Frau mit Schmerzen Kinder geb\u00e4ren m\u00fcsse. Da wurde also die\u00a0 m\u00e4nnliche Arbeit aufgewogen gegen weiblichen Geburtsschmerz. K\u00f6nnte nat\u00fcrlich auch so interpretiert werden, dass Geb\u00e4ren gen\u00fcgend kreativ sei, und Frauen sich deshalb von der Arbeitswelt fernhalten sollen, wie es f\u00fcr viele Fundamentalisten noch heute gilt. Noch bis zur Annahme des neuen Eherechts\u00a0 in den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts konnte der Ehemann gem\u00e4ss ZGB seiner Ehefrau eine Erwerbst\u00e4tigkeit verbieten. Noch heute herrscht in vielen m\u00e4nnlichen K\u00f6pfen die \u201epater familias\u201c- Mentalit\u00e4t und der Ausdruck \u201eFamilienvater\u201c wird sogar noch vom Direktor des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes verwendet, obschon von dieser\u00a0 Seite\u00a0 sonst eigentlich das Doppelverdienertum als\u00a0 Regelfall gilt.<\/p>\n<p>Arbeit wird\u00a0 in der Pschoanalyse als\u00a0 Synonym f\u00fcr psychische Anstrengung benutzt. Die allerh\u00e4rteste Arbeit auf dieser Welt ist die Trauerarbeit, da spreche ich aus Erfahrung. Viele verdr\u00e4ngen lieber, denn wirkliche Trauerarbeit zu leisten ist so grauenhaft anstrengend \u2013 durch diese weitverbreitete Feigheit und \u201eFaulheit\u201c in Sachen Trauerarbeit werden andererseits\u00a0 Arbeitspl\u00e4tze in der Psychopharma &#8211; Industrie gesichert.<\/p>\n<p>Wie verh\u00e4lt es sich mit dem Verh\u00e4ltnis zwischen Arbeit und Sexualit\u00e4t? die Prostitution wird ja auch als \u201e\u00e4ltestes Gewerbe der Welt\u201c bezeichnet. Der neudeutsche Ausdruck \u201esexworker\u201c soll klarstellen, dass es sich auch im\u00a0 horizontalen Gewerbe um Arbeit handelt, was aber\u00a0 die Doppelmoral um diese Branche keineswegs aus der Welt\u00a0 schaffen wird. Denn in der verlogenen Sexualmoral des Patriarchats\u00a0 wurden hier zur Z\u00e4hmung der Frau immer wieder\u00a0 Grenzen\u00a0 verwischt und absch\u00e4tzige Ausdr\u00fccke\u00a0 aus dem\u00a0 Bereich der Prostitution absichtlich auch\u00a0 f\u00fcr jene Frauen benutzt, die sich der geltenden Sexualmoral entziehen &#8211; Promiskuit\u00e4t\u00a0 wurde und wird oft mit Prostitutuion gleichgesetzt. Promiskuitive M\u00e4nner werden aber keineswegs\u00a0 mit Gigolos oder Strichjungen gleichgesetzt, sondern k\u00f6nnen sich als Frauenhelden, womanizer oder Alphatiere br\u00fcsten.<\/p>\n<p>Warum wohl wird\u00a0 f\u00fcr das altehrw\u00fcrdige lateinische Wort \u201eFellatio\u201c heute h\u00e4ufiger das neudeutsche \u201eblowjob\u201c\u00a0 gebraucht? Job\u00a0 bezeichnet doch eine Arbeit.\u00a0 Nat\u00fcrlich\u00a0 kann ein\u00a0 blowjob sehr anstrengend sein \u2013 ob man das allerdings als unangenehme Anstrengung empfindet, h\u00e4ngt\u00a0 doch extrem stark davon ab, welche Beziehung man zu dieser Person hat.<\/p>\n<p>Wie ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Arbeit und Sport? F\u00fcr Profisportler ist Sporttreiben Arbeit, aber der Weg\u00a0 dorthin ist ziemlich hart\u00a0 und\u00a0 f\u00fcr viele bleibt es\u00a0\u00a0 beim Traum, genauso wie viele Musiker ein Leben lang davon tr\u00e4umen, vom Musikmachen leben zu k\u00f6nnen. Im Sport und in der Musik steigen gelegentlich Auserw\u00e4hlte aus der Gosse ins Rampenlicht auf, viele Nacheiferer m\u00fcssen den Traum vom Profi fr\u00fcher oder sp\u00e4ter begraben. Nehmen wir einmal die Tour de France \u2013 die\u00a0 von ihrem\u00a0 7maligen Sieger auch als Metapher des Lebens bezeichnet wird. Man kann sich wirklich fragen: Welchen Sinn macht es, bei 40\u00b0 Sommerhitze\u00a0 den Berg hinauf zu radeln? Was\u00a0 treibt diese Profisportler bei ihrer Arbeit an der\u00a0 Belastungsgrenze an \u2013 das Preisgeld oder die Ehre? Die Ehre, das maillot jaune zu tragen, auf dem Podest zu stehen, ein Medienstar zu sein, wiegt wohl weit st\u00e4rker. Und um diese Ehre zu erlangen,\u00a0 wird\u00a0 viel gemogelt \u2013 wie in der Arbeitswelt\u00a0 auch. Einige Medikamente, die im Spitzensport auf der Dopingliste stehen, sind in der Arbeitswelt\u00a0 weitverbreitet, z. B. Betablocker gegen erh\u00f6hten Blutdruck. Manch gestresster Manager dopt sich lieber mit Betablockern, anstatt seine Arbeitsdedingungen in Frage zu stellen oder\u00a0 den Job zu wechseln. Viele Models dopen sich mit\u00a0 Cocain, um Hunger, Jetlag und Schlafmangel zu d\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Beim workaholic ist die Arbeit\u00a0 selbst die Droge, oft\u00a0 st\u00fcrzen sich\u00a0 Arbeits\u00fcchtige in die Arbeit, um sich von unl\u00f6sbaren zwischenmenschlichen Problemen oder schweren Schicksalsschl\u00e4gen abzulenken. Beim Burn-out hat man zu sp\u00e4t realisiert, dass man\u00a0 auch\u00a0 noch mal auftanken sollte, man habe es verpasst, die richtige\u00a0 Work-Life-Balance zu finden, heisst es. Es f\u00e4llt auf, dass die meisten Fachausdr\u00fccke aus dem Gebiet rund um die Arbeit englisch sind. Beim Job Assessment wird die richtige Person f\u00fcr den Job gesucht, gelegentlich sogar in einer Fernsehshow. Was ist ein Whistleblower? Das ist einer, der die Trillerpfeife bl\u00e4st wie ein Schiedsrichter. Er \/Sie lebt aber gef\u00e4hrlich und wird wegen der Kritik meist entlassen. der Arbeitgeber nennt es allerdings nicht\u00a0 unerw\u00fcnschte Kritik, sondern \u201emangelnde Loyalit\u00e4t\u201c Gross in Mode ist zurzeit auch der Ausdruck \u201eMobbing\u201c ; eigentlich ein englisches Wort , doch werden im angels\u00e4chsischen Raum eher die Ausdr\u00fccke\u00a0 \u201eharrassing\u201c oder \u201ebullying\u201c f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen verwendet. Amerikanische Anw\u00e4lte sind sehr spitzfindig, wenn es um \u201esexual harrassment\u201c am Arbeitsplatz geht, es wird sogar davon abgeraten, eine Arbeitskollegin w\u00e4hrend der Arbeitszeit zu einem Drink nach Arbeitsschluss einzuladen<\/p>\n<p>Es gibt ein Berndeutsches Buch\u00a0 \u201elehre w\u00e4rch\u00e4\u201c, dabei geht es um Bauernkinder- die eben bereits im Jugendalter arbeiten lernen. Fr\u00fcher gab es im Mai sogar \u201eHeuferien\u201c, damit die Bauernkinder beim Heuen helfen konnten. In Bauerfamilien ist\u00a0 Arbeit vor allem k\u00f6rperliche Arbeit und das Sch\u00f6ne daran ist: das Resultat ist meist deutlich ersichtlich: die geernteten Kartoffeln, das Heu, die gemolkenen Milch etc. ,\u00a0 die gelesenen Seiten des Akademikers\/der Akademikerin haben einen schweren Stand dagegen. Bauern haben oft\u00a0 Schwierigkeiten, eine Frau zu finden (abgesehen von Ex- Mister Schweiz Renzo Blumenthal), weil das Leben einer B\u00e4uerin als arbeitsvoll gilt. Bei vielen Bauernfamilien gibt es so eine Art Ehrenkodex, dass\u00a0 der Besuch\u00a0 eines Strandbads zu sehr nach \u201edolce far niente\u201c aussieht und sich f\u00fcr B\u00e4uerinnen nicht geh\u00f6rt.\u00a0 Sport und Fitness als Ausgleich sind eben gar nicht n\u00f6tig, weil man sich bei\u00a0 der Arbeit genug bewegt.<\/p>\n<p>Wie wirken sich\u00a0 Berufsarbeit, beruflicher Erfolg \/ Misserfolg auf die zwischenmenschlichen Beziehungen aus? Da gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen den Geschlechtern, man lese nur einmal die Partnerschaftsanzeigen, M\u00e4nner preisen sich immer noch vorwiegend mit ihrem beruflichen Erfolg\u00a0 an\u00a0 und suchen eher j\u00fcngere Frauen. Im westlichen System\u00a0 scheint es\u00a0 einen Deal \u201em\u00e4nnliches Geld gegen\u00a0 weibliche Jugend\u201c zu geben.\u00a0 Dass sich der Deal geschlechterm\u00e4ssig auch umkehren l\u00e4sst, zeigen die Zust\u00e4nde in vielen Entwicklungsl\u00e4ndern, in denen es auch einen Zweig des Sextourismus gibt, wo es um m\u00e4nnliche Jugend gegen weibliches Geld geht. Dies zeigt, dass meist die wirtschaftlichen Machtverh\u00e4ltnisse f\u00fcr jene Situationen verantwortlich sind, in denen der menschliche K\u00f6rper vermarktet wird. Wenn reiche westliche Touristinnen\u00a0 sich junge arme M\u00e4nner in Entwicklungsl\u00e4ndern kaufen, wird ein Machtgef\u00e4lle ausgenutzt \u2013 hier das Nord-S\u00fcd Machtgef\u00e4lle, das hier ausnahmsweise das Machtgef\u00e4lle zwischen Mann und Frau aushebelt.<\/p>\n<p>Es ist erstaunlich: In Auschwitz stand : \u201eArbeit macht frei\u201c. Wie\u00a0 um\u00a0 Gottes Willen kann Zwangsarbeit frei machen ?<\/p>\n<p>Das ist keineswegs das einzige verr\u00fcckte Beispiel: neuere Untersuchungen zeigen, dass viele Kamikaze \u2013 Piloten ihren\u00a0 t\u00f6dlichen Flug keineswegs freiwillig machten. Ihr Leben zu opfern war schlicht Teil ihrer Arbeit. Auch\u00a0 die Arbeit von Journalisten ist oft sehr gef\u00e4hrlich: aktuelles Beispiel ist die Journalistin, die Putins Russland arg kritisiert hatte und k\u00fcrzlich erschossen wurde. Solche Beispiele gibt es leider viele. Viele Arbeitnehmer erkrankten oder starben durch Einatmen von Asbest bei der Arbeit. Das juristische Nachspiel dazu ist immer noch im Gang.<\/p>\n<p>Erfolg in der Arbeitswelt\u00a0 garantiert keineswegs f\u00fcr einen guten Charakter: ein wegen P\u00e4dophilie und (von ihm als Unfall beschriebenen) Kindsmord gest\u00e4ndiger amerikanischer Lehrer hatte seine Ausbildung mit \u201esumma cum laude\u201c abgeschlossen.<\/p>\n<p>Es heisst auch \u201eWes Brot ich ess\u2019 des Lied ich sing\u201c. Viele Arbeitnehmer \u201eprostituiren\u201c sich\u00a0 geradezu f\u00fcr ihren Arbeitgeber. Zum Beispiel\u00a0 manipulierten Philiipp Morris \u2013 Anw\u00e4lte Resultate\u00a0 wissenschaftlicher Untersuchungen \u00fcber das Suchtpotential der Zigaretten und die Sch\u00e4dlichkeit des Passivrauchens. Pfui!<\/p>\n<p>Nomen est omen. Der Name kann in der Arbeitswelt sehr wichtig sein. So wollte mich einst mein Professor zu seiner Assistentin erk\u00fcren, weil ich denselben Namen und Heimatort hatte und es ihm geschmeichelt h\u00e4tte, wenn man mich f\u00fcr seine Tochter oder doch mindestens eine Verwandte\u00a0 gehalten h\u00e4tte.\u00a0\u00a0 Die Senior &#8211; junior- Mentalit\u00e4t ist in Arbeitswelt und Politik sehr verbreitet, denn es ist praktisch, wenn man den Bonus eines bekannten Namens hat.<\/p>\n<p>Wegen mangelnder Reproduktionst\u00e4tigkeit hierzulande wurde die Erh\u00f6hung des Rentenalters vorgeschlagen und theoretisch wird zu mehr W\u00fcrdigung der Erfahrung reiferer Arbeitssuchender aufgefordert, aber die Realit\u00e4t sieht anders aus: \u00fcber 50j\u00e4hrige Arbeitslose oder Ausgesteuerte sind auf dem Abstellgleis, weilbliche erst recht.<\/p>\n<p>Zum Schluss noch eine politische Beleuchtung des Themas Arbeit aus linkem und rechtem Lager: Marx hat mit seinem Ansatz von Ausbeutern und Ausgebeuteten einen wichtigen Beitrag geleistet \u2013 aber sozialistische Systeme haben sich nicht bew\u00e4hrt, und abzockende Bosse und ausgebeutete underdogs wird es trotzdem immer geben. Anderserseits gibt es auch jene Raffinierten, die den modernen Wohlfahrtsstaat ausn\u00fctzen\u00a0 und es sich in der sozialen H\u00e4ngematte gem\u00fctlich machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literaturwettbewerb im &#8222;Bund&#8220;, kein Preis gewonnen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeit\u00a0 &#8211;\u00a0 was ist das? Das ist\u00a0 wie bei fast allem bloss\u00a0 eine Frage der\u00a0 richtigen Definition. 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