{"id":299,"date":"2004-05-23T11:46:14","date_gmt":"2004-05-23T10:46:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bigmouth.ch\/blog\/?p=299"},"modified":"2012-01-02T11:47:20","modified_gmt":"2012-01-02T10:47:20","slug":"frauenfangerei-update-23-05-04","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bigmouth.ch\/blog\/2004\/05\/frauenfangerei-update-23-05-04\/","title":{"rendered":"Frauenf\u00e4ngerei &#8211; Update 23.05.04"},"content":{"rendered":"<p>Es ist nicht fair, mir vorzuwerfen, dass ich &#8211; wie so viele Schweizer Frauen meiner Generation &#8211; vor der gesellschaftlichen Realit\u00e4t in den Siebzigern \/ Achtzigern kapitulierte, dass Frauen sich meist zwischen Karriere und Familie entscheiden mussten. Als ich 1976\/77 in England unterrichtete, stellte ich fest, dass es berufst\u00e4tige M\u00fctter in England wegen der vorhandenen Kinderbetreuungs-Institutionen viel leichter haben. Ich h\u00e4tte eine englische Vergleichsgruppe von Ehepaaren, die beide halbtags berufst\u00e4tig sind und Kinderbetreuung und Hausarbeit teilen, finden sollen. Meine Kollegin fand in der Schweiz 10 solche \u00abfifty-fifty\u00bbPaare, in England fanden sich schlicht keine solchen Paare, da doppelverdienende Eltern in der Regel familienexterne Kinderbetreuung nutzten.. Das Resultat der l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Proseminararbeit: Wie sich Eltern die Kinderbetreuung organisieren, ist stark abh\u00e4ngig von den politischen Gegebenheiten. Englische Soziologen unterscheiden zwischen \u00abfamily-centered woman\u00bb (Familienzentrierte Frau) und \u00abcareer-centered woman\u00bb (Karrierezentrierte Frau). Es ist eine Illusion, zu glauben, eine 40- oder 50j\u00e4hrige Frau k\u00f6nne pl\u00f6tzlich vom Hausm\u00fctterchen zum Karriereweib mutieren, bloss weil das politische Umfeld sich gewandelt hat. Die lange Familienphase wirkt sich in der Arbeitswelt als grosses Handicap aus. In einer Untersuchung, was Ehen stabil macht, stellte man fest: Einer der Hauptfaktoren, die Ehen stabil machen, ist (neben gemeinsamen Kindern und gemeinsamem Wohneigentum) die Tatsache, dass die Ehefrau w\u00e4hrend vieler Jahre nicht erwerbst\u00e4tig war. Es ist nicht gerade eine romantische Vorstellung, dass vermutlich viele Frauen in einer \u00abVersorgerehe\u00bb ausharren. Mein erster Ehemann hat mich&amp;nbsp; mit dem Argument, berufst\u00e4tige M\u00fctter h\u00e4tten ihre Kinder nicht gern, zum Verzicht auf Karriere manipuliert. Mir wurde viel zu sp\u00e4t klar, dass er so leichter an meine Mitgift herankam (er manipulierte mich auch, quasi als Liebesbeweis auf G\u00fctertrennung zu verzichten). Meine erste Ehe ging ich nach altem Eherecht ein, in dem es noch hiess \u00abder Ehemann ist das Oberhaupt der Familie\u00bb und nach dem der Ehemann der Ehefrau sogar eine eigene Erwebst\u00e4tigkeit verbieten konnte. Nat\u00fcrlich gibt es M\u00e4nner, die ihre Ehefrau durch wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit festnageln wollen, vor allem M\u00e4nner mit kleinem Selbstwertgef\u00fchl, die glauben, eine Frau nur so halten zu k\u00f6nnen. Die SP ist f\u00fcr jene Frauen, die das Auslaufmodell des verantwortungsvollen Familienvaters durch die verantwortungsvolle Familienmutter ersetzen wollen, sicher die richtige Partei. Eine solche Frau verk\u00f6rpert z.B. die ehemalige Gleichstellungsfrau und heutige Regierungsstatthalterin Regula Mader ( deren bisherige politische T\u00e4tigkeit ich respektiere). Dieses neue Weltbild bedeutet aber auch, dass diese Frauen den Staat als zuverl\u00e4ssigeren Partner betrachten als einen Mann aus Fleisch und Blut, dass M\u00e4nner sehr viel Macht abgeben m\u00fcssen, und dass die moderne Beziehung zwischen den Geschlechtern durch sehr viel Rivalit\u00e4t gepr\u00e4gt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nicht fair, mir vorzuwerfen, dass ich &#8211; wie so viele Schweizer Frauen meiner Generation &#8211; vor der gesellschaftlichen Realit\u00e4t in den Siebzigern \/ Achtzigern kapitulierte, dass Frauen sich meist zwischen Karriere und Familie entscheiden mussten. 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